Von Giotto bis Malevic: Wunderwerke im Jahrhunderte langen Wechselspiel zweier Welten Brunella MarcelliVom 1.Oktober bis 9.Januar 2005 findet in den Scuderie Papali in Rom die Ausstellung „Von Giotto bis Malevic: Wunderwerke im Wechselspiel“ statt. In einer Raum-Zeit-Dimension werden Kunst und Kultur von acht Jahrhunderten lebendig, von byzantinischer Kunst bis zu den Anfängen des 20.Jahrhunderts.
Marc Chagall,1914-18, Moscau, Galerie Tretjakov
|
Rom (Terra Italia) - Die Wunderwerke aus zwei ikonographischen Welten gemeinsamen Ursprungs, die sich wechselseitig beeinflusst haben, entfernen sich von einander, um sich dann wieder zu treffen. So wie zwei Liebende, die sich beide Hals über Kopf in einander verliebt haben, dann auseinander gehen, sich ab und zu beäugen und sich schließlich am Ende des Weges auf einer Ebene wiederfinden, ohne ihre Unabhängigkeit aufzugeben. Die Ausstellung „Von Giotto bis Malevic“, die bis zum 9.Januar 2005 in den Scuderie Papali in Rom und vom 7.Februar bis 20.Mai im Staatlichen Museum der Schönen Künste A.S. Puschkin zu sehen ist, umfasst einen Zeitraum von acht Jahrhunderten, ausgehend vom 13.Jahrhundert bis hin zum Beginn des 20.Jahrhunderts. Für die Gestaltung zeichnen das Architekturstudio Giusto Puri Purini und Maurizio Mariani verantwortlich, sowie der Architekt Lucio Turchetta. Die Ausstellung versteht sich als Reise in Zeit und Raum, bei der die Beleuchtung in Gold- und Silbertönen gehalten ist, immer aber mit den Schatten in Verbindung steht und maßgeblichen Anteil daran hat, dass die Werke mit ihrer kulturellen Botschaft, für die sie stehen, deutlich erfasst werden. Aber sie trägt auch schlicht zu einer ästhetischen Verzauberung bei, sind Ausdruck von etwas Wunderbarem, gerade so wie es der Titel der Ausstellung beschreibt. Es war keine leichte Aufgabe – schon gar nicht in organisatorischer Hinsicht -, die etwa 190 außerordentlich wertvollen Werke beider Länder ( Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und architektonische Modelle) zusammen zu führen und eine dialogische Struktur herzustellen, die durch Distanz und Vielseitigkeit geprägt ist, aber auch durch Austausch und negative Elemente. Organisiert wurde die Ausstellung von der Azienda Speciale Palaexpo-Scuderie del Quirinale von Rom, die Schirmherrschaft wurde übernommen vom Ministerium für Äußere Angelegenheiten und dem Ministerium der Kulturgüter und kultureller Aktivitäten der Italienischen Republik, den zuständigen Behörden für Kulturpolitik Roms, sowie dem Außenministerium und dem Ministerium für Kultur und Kommunikation der Russischen Föderation. Bei der Pressekonferenz zu Beginn der Ausstellung hat Kultusminister Urbani die Initiative als einen Moment der Begegnung zwischen beiden Ländern bezeichnet, der in einen Kontext bilateraler Beziehungen einzuordnen ist, mit dem ziel, Italien im Ausland zu fördern. Ein Forum des Dialogs zwischen zivilisierten Ländern, das nach Manager-Gesichtspunkten organisiert wurde, woraus sich dann eine Reihe von Veranstaltungen ergeben haben mit Live-Darstellungen, Darbietungen aus dem bereich Musik, Film und Literatur, um die mehrere Jahrhunderte andauernden Beziehungen zwischen Italien und Russland sichtbar, hörbar und greifbar zu machen.„Am Anfang war Byzanz“: die ikonographischen Verläufe beider Länder gehen vom byzantinischen Stil aus. Schon beim gemeinsamen Ausgangspunkt werden die Unterschiede deutlich. Die Kodifizierung des heiligen Bildes in seiner Wertigkeit von programmatischer und kontemplativer Festlegung in den Zentren der russischen Welt. Die Experimentierfreude mit dem Schwerpunkt auf Erneuerung, was wir bei Giotto wiederfinden in seinem „wiedergefundenen Raum“. Die Experimentierfreude humanistischer Prägung wird in den italienischen Zentren unerschöpflich fortgesetzt und wird in der Renaissance ihre volle Blüte erreichen. Die Werke von Botticelli, Leonardo, Michelangelo und Raffael stehen den majestätischen Ikonen der Meister Andrej Rublev, Daniil Cernyj und Dionisij gegenüber. Aber es zeigen sich auch neue Momente des Austauschs. Das bringen zwei moderne Plastiken zum Ausdruck: das Modell der Kreml-Gebäude, das 1952-54 erstellt wurde und dem Architekturmuseum von Moskau entlehnt wurde und das Modell des Palazzo del Podestà von Bologna aus dem besitz der Kommune Bologna. Beide Artefakte weisen neuartige Elemente auf, die vom italienischen Architekten Aristotele Fioravanti in Russland eingeführt wurden, der in der zweiten Hälfte des 15.Jahrhunderts einen maßgeblichen Beitrag zur Erstellung des Moskauer Kremls in moderner Form erbracht hat. Im 17.Jahrhundert bewirken Feinheit und der formale Schwung des Barocks einen großen Abstand zum andauernden kontemplativen Element im russischen figurativen Ausdruck. Immerhin machen die ersten „naturalistischen“ Landschaften und die Anzeichen für die Darstellung der Perspektive deutlich, das Änderungen im Gange sind. Die Zeit der Trennung endet mit Peter dem Großen und die Bindungen zwischen Russland und dem Westen verstärken sich mit Katharina II. Italienische Architekten betätigen sich in Sankt Petersburg und junge russische Künstler kommen zum Studium nach Italien. Die Zeit der Sammelleidenschaft beginnt. Wir schreiben das Zeitalter der Aufklärung und der Austausch betrifft alle Bereiche der Kunst. Vom figurativen Realismus zur Auflösung des Realen. Dieser letzte Teil ist besonders umfangreich. Er reicht vom Bereich „ Von der Romantik zum Symbolismus“ bis hin zu der Sparte „Die Herausforderungen der Moderne zwischen Demokratie und einmaligem Gedanken“. Es sind dies Jahrhunderte, die reich sind an Veränderungen und in denen die Analogien dieser beiden Welten „auf Distanz“ erfolgen, auch wenn manchmal eine Annäherung erfolgt, wie es zum Beispiel im Futurismus der Fall ist. Innerhalb des gleichen, nunmehr europäischen Umfeldes offenbart sich ein Wertsystem im Sinne von „Affinität bei Autonomie“. Genau die gleichen Werte, die auch heute zum Ausdruck kommen und die vorgenannten kulturellen Initiativen zeigen dies deutlich. Im Zeichen von etwas Wunderbarem, das auf Gegenseitigkeit beruht. Info: www.scuderiequirinale.it und tel.: +39 06 696270 Vorverkauf, Führungen und Workshops: www.pierreci.it und Tel.:+39 06 39967500
 Andrej Rublev Schule Natività di Cristo,1400 Moscau, Galerie Tretjakov
|  Ilja Repin, Lev Tolstoj, 1887, Moscau, Galerie Tretjakov |
| | | | Copyright 2000\2003 Terra Italia News |